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I Ging und Taiji


Isolde Schwarz Bereits vor 3000 Jahren wurde die Lebensweisheit des Taiji, die Grundbotschaft der Wandlung, in dem chinesischen Klassiker I Ging erwähnt. Das I Ging, das „Buch der Wandlung” basiert auf 64 Hexagrammen, die durch die unterschiedliche Kombination der Wirkkräfte Yin und Yang jeweils einen spezifischen Augenblick des Lebens in einem Zyklus fortwährenden Wandels repräsentieren.

Mit seinem Aufbau vom Einfachen zum Komplexen veranschaulicht das I Ging wie sich aus der Interaktion von Yin und Yang die 5 Wandlungsphasen und die 8 Trigramme entwickeln, sich gegenseitig ergänzend und Bewegung auslösend. Es heißt im I Ging, dass alle Dinge des Universums einem der 8 Trigramme angehören und durch sie repräsentiert werden können. Deshalb gilt dies Buch als hochgeschätzter Ratgeber für schwierige Lebensphasen, der dem Menschen helfen kann, seinen ganz persönlichen Lebensweg zu finden und zu gehen.

Die Kraft der Methode des Taiji nutzend ergründen wir die Weisheit des I Ging bis in seine Tiefen hinein. Indem wir Geist und Körper zusammenfließen lassen, spinnen wir unsere Fäden zur inneren Welt. Das philosophische Konzept des Taiji finden wir im I Ging wieder: die acht Urzeichen, die Trigramme spiegeln das lebendige Zusammenspiel von Yin und Yang; so symbolisiert das Zeichen des Donners den ersten Impuls einer Bewegung, das Holz setzt diese sanft und beharrlich fort, der Berg führt sie zur Ruhe und Vollendung und der See steht für die gelassen heitere Stille und Stimmung.
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Unendlich vielschichtige den Trigrammen zugeordnete Qualitäten und Bedeutungen werden durch bildhafte Zuordnungen beschrieben, für die Himmelsrichtungen, Körperteile, Gefühle, Farben, Jahreszeiten, Familienmitglieder, Handlungen u. a. herangezogen werden. Laut Wang Bi (223-246) geht es darum „die in den Worten ausgedrückten Bilder zu sehen und die sich in den Bildern verbergenden Ideen zu erfassen.

Genau das geschieht wenn wir durch Taiji und Qigong mit dem I Ging auf verschiedenen Ebenen kommunizieren: rational auf Ebene des Geistes, symbolhaft auf Herzebene sowie in Stille und Meditation. Spielerisch führt uns das Wechselspiel von Ruhe und den verschiedenen Bewegungsqualitäten zum Entdecken der Dimension jenseits des Denkens. Indem wir uns diesen Ur-Bildern assoziativ-meditativ und mit viel Phantasie nähern, erkennen wir Bewegungstendenzen, -qualitäten und Unterschiede, die sich nicht nur in der Taiji-Form sondern auch in persönlichen Lebenszusammenhängen widerspiegeln. Das Bewegungs-Spiel mit den Trigrammen lädt ein zum Dialog mit dem Geist der Zeit und der Inneren Stimme!

Der Prozess der Trigramm-Entstehung bei Lao Dse:

  • Das Dao erzeugte die Eins.
  • Die Eins erzeugte Zwei.
  • Die Zwei erzeugte Drei.
  • Und die Drei erzeugte die zehntausend Dinge.
  • Die Zehntausend Dinge tragen das Yin und umfassen das Yang.
  • Durch verschmelzen ihrer Energien erreichen sie Einklang.